Genug Stress für jedermann!

Ich habe an einem Seminar von einem hier in Deutschlang sehr bekannten Hundetrainer teilgenommen. Wir haben zwei Tage lang mit “Problemhunden” und - wie immer - mit Problemmenschen gearbeitet…

Innerhalb der Gruppe gab es Hunde, die tief und laut knurrten – manche wollten lieber Kaninchen jagen als Luft zu holen – und einige hatten vor allem, was es gibt, Angst. Es handelte sich um eine sehr gemischte Gruppe. Das ganze Seminar gab mir viele kleine Denkanstösse, die im Laufe der Jahre langsam in immer gößeres Verständnis erwachsen werden.

Zum Abschluß des Seminars stellten wir eine letzte Fragen, als eine Frau fragte: “Ich habe einen Hund, der auf längeren Autofahrten (mehrere Stunden) stark hechelt und sabbert und sich scheinbar nicht entspannen kann. Wie kann ich ihm dabei helfen?”

So saß ich da, wie üblich, und versuchte, die Antwort zu erahnen. Dachte an die vielen Dinge, die ich in einer solchen Situation tun könnte. Ich hatte einen ganzen Plan in meinem Kopf, der bestimmt funktioniert haben würde! Zu meiner Überraschung fragte der Trainer sie im Gegenzug:

“Und wie oft machen sie diese langen Autofahrten?”

“Höchstens ein paarmal im Jahr…”

Da lächelter er und sagte: “Ich stehe jeden Tag unter Stress, oft mit sehr wenig bis gar keiner Zeit zum Entspannen. Warum kann Ihr Hunde wenige Stunden Stress im Jahr nicht aushalten?” Das war eine Herangehensweise mit gesundem Menschenverstand. Ich war verblüfft, denn ich war sicher, dass er mit einer Art von Lösung für ihr Problem aufwarten würde… irgendeiner! Er fuhr fort: “Es wäre schade um Ihre Zeit und sogarnoch stressiger für den Hund, stundenlang herumzufahren und zu versuchen, ihn ans Autofahren zu gewöhnen. Vielleicht wird er eines Tages erkennen, dass Autofahren für eine längere Zeit gar nicht so schlimm ist. Andererseits könnte er eine Art Reisekrankheit haben (weil Sie sagen, es kommt nur auf langen Autofahrten vor) und auch der Versuch, einem reisekranken Menschen durch Training die Reisekrankheit abzugewöhnen, führt uns nirgendwo hin.”
Das Seminar hatte durchaus einige dieser Momente. Augenblicke, in denen ich dachte, ich wüsste, was er sagen würde, bis ich schließlich erkannte “Hmm… okay, wieder einmal schlägt der gesunde Menschenverstand zu!”

Aber es ist wahr; manchmal haben die Leute den Eindruck, Tiere solltenniemals Stress ausgesetzt werden, aber für uns ist es völlig in Ordnung 24 Stunden am Tag sieben Tage die Woche unter Streß zu stehen. Damit meine ich nicht, man sollte sein Tier stressen. sondern man sollte bei seinen Handlungen, es vor Streß zu bewahren, nicht unrealistisch sein. Manchmal wird Ihr Tier etwas Stressiges aushalten müssen – wir alle müssen das. Je nachdem, wie Sie damit umgehen, wird er oder sie sich entweder durch diese Erfahrung weiterentwickeln und lernen, dass es gar nicht so schlimm war oder Ihre Besorgnis wird sein/ihr Verhalten noch verstärken und er/sie wird zukünftig sogar noch gestresster reagieren.

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Unter Verhalten, Hunde, Umgang mit Emotionen, Mensch & Tier, Humans

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